Kurz gesagt
- Der Kernunterschied ist die Haftung: Einzelunternehmer haften mit dem Privatvermögen, die GmbH nur mit dem Gesellschaftsvermögen.
- Einzelunternehmen: schnell & günstig gegründet, kein Kapital nötig, Gewinn wird mit deinem Einkommensteuertarif versteuert.
- GmbH: Stammkapital (AT 10.000 €, DE 25.000 €), Notar, Pflicht zur doppelten Buchhaltung – dafür pauschale Gewinnsteuer und Haftungsschutz.
- Faustregel: niedriger Gewinn oder Start = Einzelunternehmen, hoher, thesaurierter Gewinn oder echtes Risiko = GmbH.
Vorweg, ganz ehrlich: Ich bin weder Anwalt noch Steuerberater, das hier ist der praktische Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung. Die Rechtsform ist eine Entscheidung mit langem Nachhall, deshalb gehört die konkrete Wahl einmal mit einem Steuerberater oder der Wirtschaftskammer bzw. IHK durchgesprochen. Aber damit du in dieses Gespräch nicht ahnungslos gehst, sortieren wir hier die vier Dinge, die wirklich zählen: Haftung, Steuern, Kosten und Aufwand.
1. Haftung: der eigentliche Knackpunkt
Alles andere ist Beiwerk – die Haftung ist der Grund, warum es die GmbH überhaupt gibt. Als Einzelunternehmer bist du und dein Betrieb rechtlich dieselbe Person. Geht etwas schief – ein großer Kunde zahlt nicht, ein Projekt platzt, jemand klagt – haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten Privatvermögen. Auto, Ersparnisse, im schlimmsten Fall das Haus.
Die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) zieht genau hier eine Wand ein: Sie ist eine eigene juristische Person. Haftet wird grundsätzlich nur mit dem Gesellschaftsvermögen, dein privates Geld bleibt im Regelfall unangetastet. Das „im Regelfall" ist wichtig – bei grober Sorgfaltsverletzung als Geschäftsführer oder bei privat unterschriebenen Bürgschaften (die Banken gern verlangen) kann die Wand auch mal bröckeln. Aber im normalen Geschäftsbetrieb ist der Schutz real und der Hauptgrund, warum sich risikoreichere Betriebe für die GmbH entscheiden.
2. Steuern: pauschal gegen progressiv
Das ist der Punkt, an dem sich viele verrechnen – in beide Richtungen. Der Unterschied lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Das Einzelunternehmen zahlt Einkommensteuer nach dem progressiven Tarif – je mehr Gewinn, desto höher der Prozentsatz. Die GmbH zahlt eine pauschale, flache Gewinnsteuer, die erst beim Ausschütten an dich noch einmal besteuert wird.
In Österreich
Dein Einzelunternehmen versteuert den Gewinn mit dem Einkommensteuertarif: Bis rund 13.300 € steuerfrei, danach in Stufen hinauf bis zum Spitzensteuersatz von 50 % (ab 1 Mio. € befristet 55 %). Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn 23 % Körperschaftsteuer (KÖSt, seit 2024) – unabhängig von der Höhe. Nimmst du das Geld als Gesellschafter heraus, kommen auf die Ausschüttung noch 27,5 % Kapitalertragsteuer dazu. Und selbst in einem Verlustjahr fällt die Mindest-KÖSt von 500 € pro Jahr an.
In Deutschland
Sehr ähnliches Bild: Das Einzelunternehmen zahlt Einkommensteuer (Grundfreibetrag ~12.100 €, Spitzensteuersatz bis 45 %) zuzüglich Gewerbesteuer – die aber weitgehend auf die Einkommensteuer angerechnet wird, sodass sie sich für viele kleine Betriebe fast neutralisiert. Die GmbH trägt 15 % Körperschaftsteuer plus Solidaritätszuschlag plus Gewerbesteuer und landet damit in Summe bei rund 30 % Gesamtbelastung auf den Gewinn. Bei Ausschüttung an dich kommt Abgeltungsteuer bzw. das Teileinkünfteverfahren obendrauf.
Der entscheidende Hebel steckt im Wort „thesaurieren", also Gewinne im Unternehmen stehen lassen: Solange das Geld in der GmbH bleibt und reinvestiert wird, greift nur die niedrige, pauschale Gewinnsteuer. Wer dagegen ohnehin jeden Euro zum Leben herausnimmt, verliert diesen Vorteil – dann kann das Einzelunternehmen unterm Strich sogar günstiger sein. Deshalb gibt es hier keine pauschale Antwort, sondern nur eine ehrliche Rechnung für deinen Fall.
3. Gründung & laufende Kosten
Hier ist das Einzelunternehmen klar vorn. Es ist mit einer Gewerbeanmeldung in kurzer Zeit und für kleines Geld auf der Welt – kein Kapital, kein Notar. Die GmbH braucht Kapital und einen Notariatsakt bzw. notariellen Gesellschaftsvertrag, dazu Firmenbuch- bzw. Handelsregistereintrag. Rechne bei der GmbH neben dem Stammkapital mit einigen Hundert bis über tausend Euro Gründungskosten.
Auch laufend ist die GmbH teurer: Die verpflichtende doppelte Buchhaltung und der Jahresabschluss bedeuten in der Regel höhere Steuerberatungskosten als eine schlanke Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Für den sanften Einstieg gibt es abgespeckte Varianten – in Österreich die FlexCo (Flexible Kapitalgesellschaft) und in Deutschland die UG (haftungsbeschränkt), die „Mini-GmbH", die schon ab 1 € Stammkapital gegründet werden kann und Gewinne bis zum Erreichen der 25.000 € ansparen muss.
4. Aufwand & Außenwirkung
Ein Einzelunternehmen ist unbürokratisch: bis zu bestimmten Umsatzgrenzen genügt die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (in Österreich wird die Bilanzierung erst ab dauerhaftem Umsatz über 700.000 € zur Pflicht). Die GmbH ist dagegen immer bilanzierungspflichtig, mit Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung nach UGB (Österreich) bzw. HGB (Deutschland), und ihr Jahresabschluss wird teilweise offengelegt.
Dafür wirkt die drei Buchstaben „GmbH" nach außen oft seriöser – manche größere Auftraggeber, Ausschreibungen oder Banken nehmen eine Kapitalgesellschaft schlicht ernster. Ob dir das etwas bringt, hängt stark von deiner Branche und deinen Kunden ab. Für viele Solo-Selbstständige und Dienstleister ist es kein Thema, für andere ein echtes Türöffner-Argument.
Also: was nimmst du?
Wenn du gerade startest, allein oder zu zweit arbeitest, überschaubare Gewinne machst und kein großes Haftungsrisiko hast, ist das Einzelunternehmen fast immer der richtige Anfang. Es ist schnell, billig und du kannst später jederzeit in eine GmbH umgründen, wenn der Betrieb wächst.
Die GmbH spielt ihre Stärken aus, wenn du echtes Haftungsrisiko hast (Produkte, größere Projekte, Personal), wenn dein Gewinn dauerhaft hoch ist und du einen Teil davon im Unternehmen stehen lässt, oder wenn Partner, Investoren oder ein späterer Verkauf eine saubere Gesellschaftsstruktur brauchen. Viele gründen bewusst als Einzelunternehmen und wechseln genau dann, wenn einer dieser Punkte eintritt. Das ist kein Scheitern, sondern der normale Weg.
Häufige Fragen
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen GmbH und Einzelunternehmen?
Die Haftung. Als Einzelunternehmer haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten Privatvermögen. Bei der GmbH ist die Haftung grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt – dein privates Geld bleibt im Regelfall außen vor.
Wie viel Stammkapital braucht eine GmbH?
In Österreich mindestens 10.000 € (seit 2024), davon mindestens 5.000 € bar einzuzahlen. In Deutschland mindestens 25.000 €, davon mindestens 12.500 € bei der Gründung. Für einen leichteren Einstieg gibt es in Österreich die FlexCo und in Deutschland die UG (haftungsbeschränkt).
Ab wann lohnt sich eine GmbH steuerlich?
Grob gesagt dann, wenn dein Gewinn dauerhaft hoch ist und du einen großen Teil im Unternehmen lässt, statt alles zu entnehmen. Die GmbH versteuert Gewinne pauschal (Österreich 23 % KÖSt, Deutschland rund 30 % inkl. Gewerbesteuer), während dein Einzelunternehmen mit dem progressiven Einkommensteuertarif belastet wird. Die genaue Grenze hängt vom Einzelfall ab – das gehört mit dem Steuerberater durchgerechnet.
Muss eine GmbH eine doppelte Buchhaltung führen?
Ja. Eine GmbH ist immer rechnungslegungs- und bilanzierungspflichtig – doppelte Buchhaltung mit Bilanz und GuV nach UGB (Österreich) bzw. HGB (Deutschland). Ein Einzelunternehmen darf dagegen bis zu bestimmten Umsatzgrenzen die einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung nutzen.
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