Kurz gesagt
- Herbstlohnrunde = die jährlichen KV-Verhandlungen, Auftakt macht die Metallindustrie.
- Metaller 2026: KV-Löhne +2,1 %, Ist-Löhne +1,9 %; Mindestlohn ab 1.11. 2.622 € brutto.
- Besonderheit: der Abschluss liegt unter der Inflation (3,3 %) – ein „Krisenabschluss".
- Für dich relevant, sobald du Angestellte hast – und für deine Kalkulation 2027.
Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf Österreich und ist ein praktischer Überblick, keine Rechtsberatung. Welcher Kollektivvertrag für deinen Betrieb gilt und wie du Mitarbeiter richtig einstufst, klärst du am besten mit der WKO oder deiner Lohnverrechnung.
Was ist die Herbstlohnrunde?
In Österreich werden Löhne und Gehälter nicht einzeln vom Staat festgelegt, sondern von den Sozialpartnern (Gewerkschaften und Wirtschaftskammer) je Branche in Kollektivverträgen ausgehandelt. Das passiert gebündelt im Herbst – daher „Herbstlohnrunde". Den Auftakt macht traditionell die Metallindustrie, und ihr Ergebnis dient oft als Orientierung für die Branchen, die danach verhandeln – etwa den Handel, der üblicherweise im November dran ist.
Die Benya-Formel: so entsteht die Zahl
Woher kommt die Prozentzahl? Die klassische Richtschnur ist die Benya-Formel: die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate plus ein Anteil des Produktivitätszuwachses. Vereinfacht gesagt sollen die Löhne die Teuerung ausgleichen und die Beschäftigten am Produktivitätsfortschritt teilhaben. Deshalb liegen die Abschlüsse normalerweise rund um die Inflationsrate. Heuer war das anders.
Der Metaller-Abschluss 2026 im Detail
Am 24. September 2026 wurde der zweite Teil eines zweijährigen Kollektivvertrags bestätigt. Die Eckpunkte:
- KV-Löhne und -Gehälter: +2,1 %, Ist-Löhne +1,9 %
- Mindestlohn ab 1. November 2026: 2.622 € brutto
- Lehrlingseinkommen und Zulagen: ebenfalls +2,1 %
- Nachtarbeits- und Dritte-Schicht-Zuschläge: +7,01 % auf 3,75 € pro Stunde
Das Besondere: Mit 2,1 % liegt der Abschluss rund 1,2 Prozentpunkte unter der rollierenden Inflation von 3,3 % – also ein realer Lohnrückgang. Die Gewerkschaften sprechen von einem „Krisenabschluss" und betonen, dass er wegen der schwierigen Lage der Industrie nicht als Vorlage für andere Branchen dienen soll. Betroffen sind rund 190.000 Beschäftigte in sechs Fachverbänden.
Was heißt das für deinen Betrieb?
Wenn du Angestellte hast, bist du direkt betroffen – allerdings über deinen Kollektivvertrag, nicht über den Metaller-KV. Sobald der Abschluss für deine Branche steht, musst du die neuen KV-Mindestlöhne und die vereinbarte Ist-Lohn-Erhöhung umsetzen. Wichtig: Diese Erhöhung trifft nicht nur den Bruttolohn, sondern zieht auch die Lohnnebenkosten mit nach oben (die liegen in Österreich bei rund 30 % – mehr dazu im Ratgeber Der erste Mitarbeiter). Plane die Steigerung also aufs ganze Jahr und auf 14 Gehälter durch.
Auch ohne Angestellte betroffen
Selbst als EPU ohne Personal spürst du die Lohnrunde – nur indirekt: Deine Zulieferer und Dienstleister zahlen höhere Löhne und geben das häufig über ihre Preise weiter. Und bei deinen eigenen Honoraren ist die allgemeine Lohn- und Preisentwicklung ein guter Anhaltspunkt, um deine Sätze für 2027 nicht zu niedrig anzusetzen. Wer seine Preise nie anpasst, verliert real jedes Jahr.
Was du jetzt tun kannst
Drei konkrete Schritte für den Jahreswechsel: Erstens prüfen, welcher Kollektivvertrag für deinen Betrieb gilt und wann er abgeschlossen wird. Zweitens die Personalkosten 2027 mit der erwarteten Steigerung durchrechnen – inklusive Lohnnebenkosten. Drittens die eigenen Preise und Angebote überprüfen und, wo nötig, anpassen, bevor die Kostensteigerungen deine Marge auffressen.
Häufige Fragen
Was ist die Herbstlohnrunde?
Die Herbstlohnrunde ist die Phase im Herbst, in der die Sozialpartner die Kollektivverträge für die einzelnen Branchen neu verhandeln – also die Mindestlöhne und Gehälter für das kommende Jahr. Traditionell macht die Metallindustrie den Auftakt; ihr Abschluss gilt oft als Orientierung für andere Branchen wie den Handel, die danach verhandeln.
Wie hoch ist der Metaller-KV-Abschluss 2026?
Die KV-Löhne steigen für 2026/27 um 2,1 Prozent, die Ist-Löhne um 1,9 Prozent. Der Mindestlohn beträgt ab 1. November 2026 brutto 2.622 Euro. Lehrlingseinkommen und Zulagen steigen ebenfalls um 2,1 Prozent. Der Abschluss wurde am 24. September 2026 als zweiter Teil eines zweijährigen Kollektivvertrags bestätigt.
Was ist die Benya-Formel?
Die Benya-Formel ist die traditionelle Richtschnur der österreichischen KV-Verhandlungen: die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate plus ein Anteil des Produktivitätszuwachses. Sie erklärt, warum die Abschlüsse meist in der Nähe der Inflationsrate liegen. 2026 lag der Metaller-Abschluss mit 2,1 Prozent allerdings deutlich unter der rollierenden Inflation von 3,3 Prozent.
Betrifft mich die Lohnrunde, wenn ich keine Angestellten habe?
Indirekt ja. Wenn Zulieferer und Dienstleister höhere Löhne zahlen, geben sie das oft über ihre Preise weiter. Außerdem orientieren sich viele Selbstständige bei den eigenen Honoraren an der allgemeinen Lohn- und Preisentwicklung. Für die Kalkulation 2027 lohnt es sich daher, die Abschlüsse im Blick zu haben – auch als Einzelunternehmer ohne Personal.
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